Schreibstil – auf was man alles achten kann!

In diesem Artikel dreht sich alles um den Stil beim Schreiben. Wie in meinen anderen Artikeln dieser Art nehme ich dabei ein Buch und versuche mir das Wichtigste heraus zu picken und so eine Fähigkeit zu erlernen oder zu verbessern. Das Buch, welches mir beim Formulieren helfen soll, ist “Deutsch für Kenner – Die neue Stilkunde” von Wolf Schneider.

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Einleitung

Es ist schwierig in Zeiten der Informationsflut, dem Leser das zu vermittelnde Wissen geeignet vor zu setzen. Geeignet heißt für mich, dass er alles das was er liest versteht und in die Tat umsetzen kann. Andernfalls war der Text keine Hilfe und ich verfehlte mein Ziel.

Im Dialog fällt es mir leichter meine Absicht und die Wirkung beim Gegenüber zur Deckung zu bekommen. Beim Bloggen ist das anders; es gibt weder einen verdutzten Gesichtsausdruck, noch ein zustimmendes Nicken. Meist ist der Leser bei einem auftretenden Mangel gleich wieder weg und sucht nach einer anderen Quelle. Sollte dir also etwas auffallen, kannst du mir dies gerne via Kommentar mitteilen.

Das oberste Prinzip für einen Text ist seine Verständlichkeit.

Schneider listet drei Generalregeln für Redner und Schreiber auf:
* fasse dich kurz
* triff die Sache punktgenau
* versetze dich in die Leserperspektive

Nils hat mich auf eine englischsprachige Quelle (Copyblogger) rund ums Thema “Schreiben”
aufmerksam gemacht. Dort fand ich einen Beitrag über die Ansichten Hemingways.

5 Regeln von Hemingway:
* kurze Sätze
* kurze erste Absätze
* vigorious English (heftig, lebhaft, kräftig)
* vermeide Verneinungen
* sortiere den Müll aus

Kampf der Blähung

Nach Hemingway und Schneider muss ein Text knapp und präzise sein. Es stellt sich die Frage, an welchen Stellen man sein eigenes Geschwafel kürzen kann. Schneider findet beim Gebrauch von Adjektiven, Nomen und Verben einige Möglichkeiten, überflüssiges zu entrümpeln. Sagen wir der Blähung den Kampf an und schlachten aus.

Ein Adjektiv kann als Attribut, als Prädikat, als Adverb oder als Partizip vorkommen.
Man prüft seinen Text, ob die Adjektive alle nötig sind. Bei mir wanderten umgehend einige in die Tonne. Wir brauchen Adjektive nur, wenn sie zur Unterscheidung, oder “wenn sie mit dichterischer Kraft gesetzt” sind. Ich weiß nicht was dies bedeutet, wollte es euch aber nicht vorenthalten.

Falls es möglich ist, sollte man statt dem Adjektiv ein Nomen verwenden, welches die Eigenschaft schon mitliefert. Man kann bspw. einen starken Wind in einen Sturm verwandeln.

Bei den Nomen unterscheidet Schneider zwischen bildhaften (Himmel,Stern), bildnahen (Liebe, Unglück) und bildleeren (-tum, -ung, -heit). Die bildhaften und die bildnahen Nomen sind zu empfehlen. Die bildleeren Nomen sollten nicht gebraucht werden. Oft kann man ein alternatives Substantiv oder ein Verb finden. Zerstrittenheit kann man beispielsweise in einen Streit verwandeln. Die Nomen Bereich, Raum, Ebene, Sektor und Umfeld sind ebenfalls zu meiden.

Die Verben sind die Königswörter. Hier gibt es aber ebenfalls einige Gruppen, die man meiden sollte. Verben auf -ieren und Verdopplungen wie “vorprogrammieren” sollten ersetzt werden. Einige Tunwörter kennzeichnen einen Zustand und sind so nur zweite Wahl (Luftwörter wie erfolgen,bewirken; Spreizverben wie beinhalten, vergegenwärtigen; tote Verben wie befinden,liegen, gehören; Blähverben wie aufweisen).

Erste Wahl sind die Formen von “haben”,”sein” und die dynamischen Tatwörter. Diese Verben sollten bevorzugt werden. Aufpassen muss man dabei auf Wiederholungen.
Passiv und Infinitiv sollten vermieden werden. Bei Dopplungen ist der Infinitiv sogar falsch (…hatten die Erlaubnis … zu dürfen…) und das Passiv wirkt verschleiernd. Mit diesen Anmerkungen im Hinterkopf mistete ich meine Texte umfangreich aus.

Mit Wörtern würzen

In den ersten beiden Abschnitten habe ich geschildert, wie man seine Texte schlank werden lässt – aber wann brauchen wir mehr Wörter? Wenn wir die schlanken Texte nicht verstehen, müssen sie erweitert werden. Die Verständlichkeit unserer Texte ist vom Wissensstand, dem Ort und dem Grad der Aufmerksamkeit des Lesers abhängig.

Wolf Schneider gibt ein Beispiel:
Der Boden zittert leicht und eine Person ruft “Erdbeben!”. In Mexiko werden sich die Menschen in Sicherheit bringen. In Frankfurt würden sie sich nur umdrehen und wundern. Eine Information muss wahrgenommen werden. Die Aufmerksamkeit einer beschäftigten Person ist folglich schwieriger zu bekommen.

Will ich etwas Komplexes erklären, kann ich das Ergebnis vorwegnehmen. Der Leser kann sich so auf die Argumentation konzentrieren. Beispiele veranschaulichen einen Sachverhalt. Es ist somit eine Kunst, “die Grenze zwischen dem Notwendigem und dem wahrhaft Überflüssigem zu ziehen.”

In Romanen werden häufig Gedanken weggelassen, um die Fantasie des Lesers zu aktivieren. Abhängig vom Inhalt ist der Einsatz dieses Stilmittels für Blogartikel ebenso passend.

Bei den Fremdwörtern ist es, wie so oft, ein Balanceakt. Sie sind nützlich, wenn sie
* mehr Saft liefern (Vorstellungskraft – Phantasie)
* zu ungewohnten Rhythmen führen
* es kein deutsches Wort gibt
* eine Atmosphäre herstellen
* populärer und verständlicher sind

Sie sind fehl am Platze, wenn sie
* schwerer verständlich sind
* weniger anschaulich sind
* einen Sprachzwitter verursachen (bspw. Gangster)

Bei den Anglizismen gelten die gleichen Kriterien, wie bei den Fremdwörtern.

Nein zum Nein und anderen Marotten

Verwende frische, sachliche Wörter und verzichte auf abgenutzte Bilder (bitterer Ernst).
Diese Schablonen führen dazu, dass der Leser unaufmerksam wird. Achtung bei aktuellen Modewörtern, sie werden die Schablonen von morgen. Du solltest dich fragen, warum dir ein Wort besonders gefällt und nach einer weiteren Möglichkeit für dieses suchen.
Kopiere nicht den Stil aus einem anderen Magazin. Kupfern alle vom angesagtesten Blatt ab, klingt dein Artikel schnell abgedroschen.

Schneider rät:
“Wer Stil erwerben will, beginne damit keinen anzustreben.”

Fachjargon solltest du vermeiden. Egal ob Universitätsdeutsch oder Jugendsprache, das oberste Prinzip ist die Verständlichkeit. Nimm so viele Anläufe bis du mit einem zufrieden bist. Diese Arbeit muss beim Schreiber und nicht beim Leser stattfinden. Den fertigen Entwurf liest du laut vor und wirst die holprigen Stellen schnell entdecken.

Schneider zum Zusammenspiel von Wort und Schrift:
“Die Rede durch Niederschrift disziplinieren – aber für die Ohren schreiben: Das ist das Rezept.”

Synonyme

Man sollte wiederholt vorkommende Worte ersetzen, wenn Intensität, Bedeutungsumfang, Stilebene und Bewertung gleich sind. Folglich ersetzen wir bei den Hauptsachen selten!
Ein unpassender Ersatz verändert die eigentliche Aussage und ist ein schlechter Kompromiss. Wiederholungen hingegen, geben Kraft und strukturieren den Text.
Die Nebensachen kann man variieren.

Nein zum Nein

Verneinungen erschweren das Verständnis. Es gibt einfache,doppelte und dreifache Verneinungen. Des Weiteren ist die Bedeutung der Vorsilbe “un-” nicht immer eindeutig (Untiefe). Andere Vorsilben wie “ein-”, “mein-”, “preis-”, können auch eine Verneinung zur Folge haben. Ich muss die verneinten Sätze oft zweimal lesen. Hin und wieder dreimal. Hin und wieder verstehe ich sie dennoch nicht. Meist nervt mich das und ich bin weg.

Rezepte fürs Verneinen:
* Verneinungen ohne Not vermeiden
* Verneinungen mit einem Wort (vergessen statt nicht erinnern)
* Keine doppelten/dreifachen Verneinungen

Satzbau

Der Nebensatz ist für Betrachtungen, der Hauptsatz für Handlungen. Drücke also keine Hauptsachen in Nebensätzen aus. Das tragende Hauptwort und das zugehörige Verb sollten möglichst weit vorne platziert werden. Das Verb rutscht oft ans Ende eines Satzes – dies ist schlecht für das Verständnis. Wir müssen also das Verb von hinten nach vorne bekommen.

Folgende Lösungen könnten passen:
* einen Nebensatz anhängen
* längere Umstandsangaben (ich habe in vielen Ländern gelebt, unter anderem in …)
* Partizipialsätze ( Die Schriftstellerin, in Posen geboren,…)
* Verb hinters erste Aufzählungsglied ( Magda besuchte nicht nur Roman, sondern auch…)

Die 3 Sekunden-Regel
Unser Kopf kann immer nur einen Gedanken durchführen. Schneider nimmt ein Bild, welches auf unterschiedliche Weise interpretiert werden kann. Kennt man einmal beide Bedeutungen, wird das Gehirn nach etwa 3 Sekunden umschalten.

Wenn du folgendes Bild ansiehst solltest du ein Dreieck sehen. Wenn du einmal beide erkannt hast, sollte deine Wahrnehmung nach 3 Sekunden wechseln. Man kann also nicht länger als 3 Sekunden einen bestimmten Gedanken fassen.

Folglich ist es schlecht in einem Satz mehrere Sprünge zu haben oder lange Sätze zu schreiben. Die Satzlänge sollte etwa 5 bis 15 Wörter betragen. Wörter sind verschieden lang, daher diese Spannweite.

Das Subjekt-Prädikat-Objekt Schema führt zur Monotonie und somit wird der Text langweilig. Reiht man die Hauptsätze nicht mit Punkte aneinander, wird dies anders: Strichpunkt, Komma, Semikolon, Doppelpunkt, Gedankenstrich – alles ist erlaubt. Beim Punkt senkt man seine Stimme, und beim Komma bleibt sie oben.

Schreiben heißt werben

Dieser Text soll dir Infos geben, wie du den Leser einfängst.
Knackig starten und beschreiben, was alles kommt.
Was ist bei Melodie, Farbe, Inhalt und Rhythmus zu beachten?

Wie schon im Vorgängerartikel angerissen – man nimmt mit den Satzzeichen Einfluss auf Melodie und Rhythmus. Verwende den Punkt seltener und nimm auch andere Zeichen, um deine Sätze zu reihen. Beim Punkt sinkt die Stimme, beim Fragezeichen und Komma bleibt sie oben. Der Doppelpunkt eignet sich auch für die Verbindung zweier Sätze, verwende aber nicht mehr als einen pro Absatz. Mit einem Semikolon kannst du einen schwebenden Schluss kennzeichnen: Spiel damit herum, und in den Text kommt Musik.

Zur Melodie und den Vokalen:
Besteht ein Wort aus relativ vielen Vokalen wird der Text farbig. Das E ist dabei der blasseste Vokal. abcdEfg – 1,2,3,4,5!,6,7 … ; wir empfinden einen Text der auf der fünften Silbe betont ist als angenehm.

Stilmittel

Dies ist der letzte Beitrag der Artikelserie. Es geht um den Einsatz von Stilmitteln.
Stilmittel werden vom Autor bewusst eingesetzt und sollen eine Wirkung beim Leser erzielen. Der Satzbau unterscheidet sich vom Herkömmlichen. Ziele variieren – somit muss man schauen, welches Mittelchen das Richtige ist.

Stilmittel kann man einteilen in
* Sprachfiguren (bspw. Umformulierungen)
* Gedankenfiguren (bspw. Metaphern)

oder in
* bildhafte Figuren (bspw. Wort durch ein bildlichen Ausdruck ersetzen)
* Satz- und Wortfiguren (bspw. originelle Verbindung der Wörter)
* Klangfiguren (bspw. besonderer Klang bei den Wörtern)
* Sonstige Figuren

In der Wikipedia gibt es eine Liste von Stilmitteln.
Eine weitere ist bei Andreas Müller zu finden.

Was sagt der Wolf Schneider dazu?

Eine kraftvolle, passende Sentenz kann ein sinnvoller Beginn (‘Der Mensch ist frei geboren und liegt doch überall in Ketten. (Rousseau, Du contract social)) sein. Zu einem anderen Zeitpunkt ist ihr Einsatz ebenso möglich.

Beim Einsatz von Ironie gilt Vorsicht – sie darf nicht missverstanden werden.
Verwende keine abgegriffenen Metaphern. Versuche ein altes Bild zu intensivieren oder einen neuen Blick darauf zu werfen.

Ja, dann ist für mich die Artikelserie “Schreibstil” zu Ende.
Zusammenfassend bin ich sehr froh, dass ich dieses Buch gelesen habe. Ich bin aufmerksamer für die Sprache in meiner Umwelt geworden. Egal ob in Zeitungen, Büchern, Blogs oder im Fernsehen – es ist schön zu lauschen und zu vermuten, was sich der Autor dabei gedacht hat. Da werden sogar Reden interessant.
Des weiteren ist es mir wichtig, dass mein Wissen irgendwann, irgendjemandem was bringt. Da hoffe ich jetzt, den Leser mit meinen Texten nicht frühzeitig zu verjagen. Hoffentlich werde ich bald auch treffsicherer sprechen können.
Ich habe nebenbei auch geübt und dabei kam ein Artikel in einem Online-Magazin heraus.
Hier geht es zu meinem Artikel bei DrWeb und bei Nils im Blog gab es auch schon Links auf meine Taten. Ja, für mich war es eine gelungene Erfahrung.

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